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BGE-Rechner und klassische Steuerrechner erklärt
Ein BGE-Rechner modelliert die Verteilung eines bedingungslosen Grundeinkommens auf Individuen oder Haushalte und zeigt, wer netto gewinnt oder verliert. Klassische Steuerrechner berechnen dagegen die Steuerlast und Nettolöhne nach geltendem Steuerrecht ohne automatische Einbeziehung pauschaler Transfers. Beide Werkzeuge verfolgen Klarheit über finanzielle Effekte, unterscheiden sich aber deutlich in Zielsetzung, Input und Annahmen.
Ziele, Grundprinzipien und Zielgruppen
Ziel eines BGE-Rechners ist die transparente Abbildung von Transfers, möglichen Steueranpassungen und Finanzierungsvarianten für ein Grundeinkommen. Zielgruppen sind politische Entscheider, Forschende, Gewerkschaften, NGOs und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Relevante Schlüsselbegriffe für Auffindbarkeit sind BGE Rechner, bedingungsloses Grundeinkommen Rechner, Verteilungswirkung, Armutsrisiko und Arbeitsanreiz.
Die Grundprinzipien der Methodik sind klare Definitionen der Auszahlungshöhe, Festlegung, ob Zahlungen individuell oder haushaltsbezogen erfolgen, sowie die Modellierung von Gegenfinanzierungen. Mathematisch basieren realistische Modelle auf geschlossenen Gleichungen für Budgetgleichgewichte, progressiven Steuerschemata und stochastischen Annahmen zur Erwerbsbeteiligung. Algorithmen kombinieren deterministische Berechnungen pro Haushalt mit Monte-Carlo-Simulationen, um Unsicherheiten abzubilden.
Eingangsparameter müssen präzise sein: Bruttoeinkommen, Haushaltsgröße, Kinder, bestehende Transfers wie Kindergeld, Wohngeld oder Hartz-IV-Äquivalente, Freibeträge einschließlich Grundfreibetrag (2024: ca. 10 908 EUR), und Sozialversicherungsbeiträge. Zusätzlich sind Annahmen zu Teilzeitbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und Nebeneinkünften erforderlich. Realistische Modelle berücksichtigen, wie ein Grundeinkommen mit bestehenden Leistungen verrechnet wird oder ob bestimmte Leistungen entfallen.
Finanzierungsmodelle werden transparent dargestellt. Gängige Hebel sind Erhöhung der Einkommenssteuer, neue Solidarbeiträge, Umsatzsteuererhöhungen bei 19 Prozent Standardsteuersatz in Deutschland, Einführung oder Anpassung einer Vermögenssteuer sowie Umwidmung aktueller Sozialausgaben. Für Rechenzwecke sollten Simulationsvarianten mit konkreten Zahlen vorliegen, etwa BGE von 1 000 bis 1 500 EUR monatlich, Bevölkerungszahl ca. 83,2 Millionen und jährliche Budgetwirkung in Milliarden Euro.
Sozialabgaben und Leistungen sind zentral. Ein realistischer Steuerrechner bildet die Progression des Einkommensteuertarifs ab, berücksichtigt Sozialversicherungsbeiträge in ihren Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteilen und verknüpft diese mit Transferleistungen. Transparenz der Annahmen ist zwingend: Jede Formel, jeder Freibetrag und jede Quelle muss offenliegen. Datenquellen sollten amtlich sein, etwa Statistisches Bundesamt, Bundesministerium der Finanzen oder Sozialversicherungsstatistiken, mit Datumsangabe der Aktualisierung.
Verteilungswirkung, Armutsrisiken und Arbeitsanreize
Gewinner sind typischerweise niedrige und mittlere Einkommen bei neutraler Finanzierung durch eine breite Steuerbasis. Verlierer können sehr hohe Einkommen sein, sofern Gegenfinanzierung über Progression erfolgt. Auswirkungen auf Armutsrisiken sind erheblich: Ein BGE von 1 000 EUR pro Monat würde nach groben Schätzungen die Zahl materiell Bedürftiger in Deutschland deutlich senken. Arbeitsanreize ändern sich heterogen. Empirische Studien deuten auf moderate Reduktionen bei bestimmten Tätigkeiten, starke Effekte treten selten auf. Sensitivitätsanalysen müssen Varianz nach Einkommenselastizitäten des Angebots, Teilzeitneigung und regionalen Lebenshaltungskosten berücksichtigen.
Robustheit der Ergebnisse wird durch Szenarienprüfung verbessert. Wichtige Sensitivitätsparameter sind BGE-Höhe, Finanzierungsquelle, Anrechnung bestehender Leistungen und Verhaltensannahmen bei Erwerbsbeteiligung. UX und Visualisierung sind entscheidend für Verständlichkeit: Interaktive Grafiken, Rechenpfade und Editierbarkeit von Parametern erhöhen Vertrauenswürdigkeit.
Politische, rechtliche und technologische Aspekte
Rechtliche Fragen betreffen Verfassungsmäßigkeit, Verknüpfung mit Sozialgesetzgebung und Steuerrecht sowie administrative Umsetzung. Technisch erforderlich sind sichere IT-Systeme zur Auszahlung, Datenintegration mit Melderegistern und Datenschutzkonforme Schnittstellen. Risiken beinhalten Fehlanreize, unerwartete Budgetlücken und Übergangskosten. Grenzen der Werkzeuge sind Vereinfachungen bei Verhaltensannahmen, länderspezifische Besonderheiten und Datenverzögerungen.
Empfehlungen für Anwenderinnen und Anwender: Ergebnisse kritisch hinterfragen, Sensitivitäten prüfen und Datenquellen betrachten. Für Weiterentwicklung sind offene Daten, peer-reviewte Modelle und Integration mikroökonomischer Verhaltensdaten notwendig. Wichtige Quellen sind Statistisches Bundesamt, Bundesministerium der Finanzen, Eurostat und einschlägige Studien von DIW und IAB.
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